Unsere Antwort auf die Coronavirus-Pandemie

Die EZB hat eine Reihe von Maßnahmen im Bereich der Bankenaufsicht und der Geldpolitik ergriffen, um den Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie auf die Wirtschaft des Euroraums entgegenzutreten und alle Menschen in Europa zu unterstützen.


„Anders als in der Finanzkrise von 2008 sind die Banken heute nicht die Ursache des Problems. Wir müssen aber dafür sorgen, dass sie Teil der Lösung sein können.“

Andrea Enria, Vorsitzender des Aufsichtsgremiums der EZB


Unsere Maßnahmen zur Unterstützung der Wirtschaft des Euroraums ...

Die Maßnahmen stellen den Zugang von Unternehmen und privaten Haushalten zu Krediten sicher

Unsere Maßnahmen stellen den Zugang von Unternehmen und privaten Haushalten zu Krediten sicher

Banken spielen bei der Unterstützung einer gesunden Wirtschaft eine zentrale Rolle. Sie sorgen dafür, dass Privatpersonen und Unternehmen Zugang zu Finanzmitteln haben, die sie für das Sparen und für Investitionen benötigen. Aufgrund ihrer besonderen Funktion in der Wirtschaft müssen Banken spezielle Regeln einhalten. So wird gewährleistet, dass sie solide genug aufgestellt sind, um Schocks zu überstehen. Eine dieser Regeln sieht vor, dass Banken zusätzliche Mittel für schlechte Zeiten vorhalten müssen – sogenannte Kapitalpuffer.

Die Möglichkeit der Nutzung von Kapitalpuffern durch Banken ist eine zentrale Komponente unserer Maßnahmen zur Entlastung von Banken in der Krise. So wird Kapital in Höhe von 120 Milliarden € frei. Die Banken können diese Mittel zum Ausgleich krisenbedingter Verluste oder zur Finanzierung neuer Kredite an private Haushalte und Unternehmen in Höhe von bis zu 1,8 Billionen € einsetzen.

Gerade in Zeiten wie diesen sollten Banken ihre Kapitalpuffer nutzen. Das dürfte dazu beitragen, dass private Haushalte und Unternehmen in dieser schwierigen Zeit weiterhin Zugang zu Finanzierung haben.

Die Maßnahmen reduzieren das Risiko der Banken und stärken ihre Fähigkeit zur Kreditvergabe

Unsere Maßnahmen reduzieren das Risiko der Banken und stärken ihre Fähigkeit zur Kreditvergabe

Bei der Kreditvergabe müssen Banken Regeln einhalten. Sie sollten Kredite nur vergeben, wenn sie davon ausgehen, dass Privatpersonen und Unternehmen auch in der Lage sind, sie zurückzuzahlen.

Wir verlangen von den Banken zudem, dass sie ihre ausgereichten Kredite genau im Blick behalten. Kommt eine Bank zu dem Schluss, dass ein Kunde seinen Kredit wahrscheinlich nicht zurückzahlen kann, so muss sie den Kredit als „notleidenden“ oder „faulen“ Kredit einstufen und Mittel für die damit verbundenen Verluste vorhalten. In einem solchen Fall stehen der Bank weniger Mittel für die Vergabe weiterer Kredite zur Verfügung.

Uns ist bewusst, dass in einer Krisensituation selbst finanziell solide Kunden vorübergehend Probleme mit der Rückzahlung ihrer Kredite haben können. Die Banken haben gegenwärtig mehr Flexibilität bei der Einstufung von Krediten, die mit einer staatlichen Garantie unterlegt sind. So soll einer Situation vorgebeugt werden, in der einer Bank nicht genug Mittel zur Verfügung stehen, weil eine größere Zahl von Krediten an solche Kunden als „notleidend“ eingestuft wird.

Wir sind überdies weniger streng, was die Höhe der Mittel angeht, die Banken für Verluste aus staatlich garantierten Krediten vorhalten müssen. So wird zusätzliches Kapital für Kredite an private Haushalte und Unternehmen frei.

Die Maßnahmen helfen den Banken, sich auf die dringend notwendige Finanzierung der Wirtschaft zu konzentrieren

Unsere Maßnahmen helfen den Banken, sich auf die dringend notwendige Finanzierung der Wirtschaft zu konzentrieren

Die Bankenaufsicht sorgt dafür, dass das Finanzsystem stabil bleibt. Sie verlangt von den Banken die Erfüllung einer breiten Palette von Anforderungen. In Krisenzeiten stehen viele Banken vor großen operativen Herausforderungen. Deshalb wollen wir einige der für beaufsichtigte Banken geltenden Fristen lockern, damit sich die Banken auf ihre zentrale Funktion konzentrieren können: die Kreditvergabe an private Haushalte und Unternehmen.

Wir werden Zeitpläne, Prozesse und Fristen in der Bankenaufsicht in Abhängigkeit von der Situation der jeweiligen Bank anpassen. So werden wir beispielsweise prüfen, ob anstehende Prüfungen in den beaufsichtigten Banken verschoben und Fristen zur Beseitigung von Mängeln, die unlängst bei Prüfungen festgestellt wurden, verlängert werden können.

Die Maßnahmen helfen den Banken dabei, ihren Teil beizutragen

Unsere Maßnahmen helfen den Banken dabei, ihren Teil beizutragen

Die Krise ist für die Menschen und die Unternehmen in allen Ländern des Euroraums außerordentlich schwer. Damit Banken und Anteilseigner ihren Teil beitragen, haben wir die Banken dazu aufgefordert, während der Pandemie keine Dividenden auszuschütten oder Aktien zurückzukaufen. Stattdessen sollten sie Mittel, die aufgrund der oben skizzierten Maßnahmen frei geworden sind, dafür nutzen, Verluste aufzufangen oder Kredite an die Wirtschaft im Euroraum zu vergeben. So können sie Teil der Lösung sein.

Die Maßnahmen helfen der Wirtschaft bei der Schockabsorption – über Wertpapierankäufe und langfristige Kredite an Banken

Unsere Maßnahmen helfen der Wirtschaft bei der Schockabsorption – über Wertpapierankäufe und langfristige Kredite an Banken

Zur Unterstützung der Wirtschaft in der Krise hat die EZB zudem ein geldpolitisches Maßnahmenpaket geschnürt. Auf diese Weise will sie dafür sorgen, dass Banken und Unternehmen genug Finanzmittel zur Verfügung stehen.

Im Rahmen des Pandemie-Notfallankaufprogramms (Pandemic Emergency Purchase Programme –PEPP), das ein Volumen von 1 350 Milliarden € hat, erwerben wir beispielsweise eine Reihe verschiedener Vermögenswerte. Unter anderem kaufen wir Anleihen direkt von den Banken. So stehen ihnen mehr Mittel zur Verfügung, die sie in Form von Krediten an private Haushalte und Unternehmen vergeben können. Wir erwerben außerdem Unternehmensanleihen, sodass die Unternehmen über eine zusätzliche Kreditquelle verfügen. Beide Arten von Ankäufen helfen dabei, Ausgaben und Investitionen anzukurbeln, und sollen so das Wirtschaftswachstum fördern.

Außerdem bieten wir langfristige Kredite zu sehr günstigen Konditionen für Banken an, die weiterhin Kredite an diejenigen vergeben, die sie am dringendsten benötigen. Damit Banken über genügend Sicherheiten verfügen, gelten weniger strenge Regeln für Vermögenswerte, die Banken für diese Kredite als Sicherheit hinterlegen müssen. Auch das hilft den Banken, die Kreditvergabe aufrechtzuerhalten.


Aktuelles zum Coronavirus

25 June 2020
Yves Mersch: The World Economy Transformed
Remarks by Yves Mersch, Member of the Executive Board of the ECB and Vice-Chair of the Supervisory Board of the ECB, at the Reinventing Bretton Woods Committee Webinar Series
22 June 2020
Pentti Hakkarainen: Completing the banking and capital market union under new circumstances
Impulse by Pentti Hakkarainen, Member of the Supervisory Board of the ECB, Frankfurt Finance Summit
17 June 2020
Andrea Enria: ECB Banking Supervision’s approach to climate risks
Keynote speech by Andrea Enria, Chair of the Supervisory Board of the ECB, at the European Central Bank Climate and Environmental Risks Webinar
12 June 2020
Andrea Enria: Introductory Statement
Introductory statement by Andrea Enria, Chair of the Supervisory Board of the ECB, at the virtual meeting of the European CFO Network organised by UniCredit Group
10 June 2020
Andrea Enria: Transcript of the media briefing on June 9, 2020 (with Q&A)
Andrea Enria, Chair of the Supervisory Board of the ECB, Frankfurt am Main, 9 June 2020

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