- PRESSEMITTEILUNG
EZB veröffentlicht Ergebnisse des inversen Stresstests 2026 zu geopolitischen Risiken
31. Juli 2026
- Banken zeigen ihre Fähigkeit, geopolitische Stressszenarien zu entwerfen, die auf ihre jeweiligen Risikoprofile zugeschnitten sind
- Test zeigt einige Schwächen in den Stresstestrahmen der Banken auf
- 110 direkt von der EZB beaufsichtigte Banken aus dem Euroraum nahmen teil
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat heute die Ergebnisse ihres thematischen inversen Stresstests 2026 zu geopolitischen Risiken veröffentlicht. 110 direkt von der EZB beaufsichtigte Banken aus dem Euroraum nahmen teil.
Der Test ist Teil der umfassenderen Aufsichtsarbeit der EZB zu geopolitischen Risiken. Diese zählen zu den zentralen Aufsichtsprioritäten für die Jahre 2026 bis 2028. Ziel ist es, das zukunftsgerichtete Risikomanagement und die Stresstestfähigkeiten der Banken in einem Umfeld erhöhter geopolitischer Unsicherheit zu stärken.
Die Banken wurden aufgefordert, einen inversen Stresstest durchführen und plausible geopolitische Szenarien zu identifizieren, die schwerwiegend genug wären, um ihre jeweilige Kapitalposition wesentlich zu beeinträchtigen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Banken im Allgemeinen in der Lage waren, wirtschaftlich aussagekräftige Stressszenarien zu entwickeln, die ihre individuellen Schwachstellen widerspiegeln. Der Test zeigte jedoch auch Bereiche auf, in denen weitere Verbesserungen erforderlich sind. Dazu gehören die Detailtiefe und Sensitivität von Risikobewertungen, die Konsistenz zwischen den Szenariobeschreibungen und ihren Auswirkungen auf Solvabilität und Liquidität sowie die Realitätsnähe von Minderungsmaßnahmen, insbesondere in systemischen Krisensituationen infolge erschwerter geopolitischer Bedingungen. Verbesserungsbedarf besteht zudem bei der Berücksichtigung der Wechselwirkungen zwischen Solvabilität und Liquidität in den Stresstestrahmen. Dem Test im Jahr 2026 lag ein Ansatz für inverse Stresstests zugrunde. Den Banken wurde ein Rückgang ihrer harten Kernkapitalquote (CET1-Quote) um 300 Basispunkte als Ziel vorgegeben. Sie wurden aufgefordert, geopolitische Risikoszenarien zu entwickeln, die zu einem solchen Ergebnis führen würden. Dieser Ansatz unterscheidet sich grundlegend von herkömmlichen Stresstests, wie dem zweijährlichen EU-weiten Stresstest unter der Leitung der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde. Bei diesem sehen sich alle Banken mit einem ähnlichen Szenario konfrontiert und der Fokus liegt auf der Messung der quantitativen Auswirkungen auf das Kapital. Bei einem inversen Stresstest liegt der Schwerpunkt hingegen auf der Fähigkeit der Banken, umfassender darüber nachzudenken, wie sich geopolitische Risiken auf ihre Geschäftsmodelle auswirken könnten.
Im Einklang mit den Bemühungen der EZB, die Aufsichtsprozesse zu straffen, ersetzte die Stresstest-Simulation die Simulation, die jährlich von den Banken im Rahmen des internen Prozesses zur Sicherstellung einer angemessenen Kapitalausstattung (Internal Capital Adequacy Assessment Process – ICAAP) einzureichen ist. Dies trug zur Senkung von Compliance-Kosten bei.
Szenarien und geopolitische Risikonarrative
Banken entwickelten ein breites Spektrum geopolitischer Risikonarrative, darunter militärische Konflikte, Handels-, Energie- und Lieferkettenstörungen, Sanktionen, makroökonomische Schocks und Cybervorfälle. Diese Vielfalt verdeutlicht die Fähigkeit der Banken, ihre Stresstests an ihre spezifischen Geschäftsmodelle und Risikoprofile anzupassen.
Da geopolitische Risiken ein übergreifender Risikofaktor sind, der sich direkt oder indirekt sowohl auf finanzielle als auch auf nichtfinanzielle Risiken auswirken kann, mussten die Banken zwischen drei Transmissionskanälen unterscheiden: dem Finanzmarktkanal, dem realwirtschaftlichen Kanal und dem Kanal Sicherheit.
Die meisten Banken stellten den realwirtschaftlichen Kanal als wichtigsten Transmissionskanal für Risiken dar, an zweiter Stelle standen die Auswirkungen auf die Finanzmärkte. In Szenarien, in denen militärische Konflikte und Cyberangriffe beschrieben werden, war der Kanal Sicherheit, ein wichtiger Faktor für die Transmission von Risiken. Dieser Kanal umfasst physische Risiken sowie Cyberbedrohungen und hybride Bedrohungen.
Häufige Transmissionskanäle mit Auswirkungen auf das Kapital
In den inversen Szenarien der Banken waren Kreditrisiko- und Rentabilitätsdruck häufig die Kanäle, über die sich geopolitischer Stress auf des Kapital auswirkte. Wertminderungen auf Kredite wurden häufig als wichtiger Transmissionskanal hervorgehoben, insbesondere in Wirtschaftszweigen, die anfällig für geopolitische Entwicklungen sind, darunter das verarbeitende Gewerbe, die Energieversorgung und das Transportwesen. Bei Banken mit umfangreichen Handelsbüchern tragen zudem rückläufige Provisions- und Handelserträge zur Kapitalerosion bei.
Liquidität und Refinanzierung
Die Liquiditätspositionen der Banken blieben in den Stressszenarien im Allgemeinen über den regulatorischen Mindestanforderungen. Viele Banken modellierten plausible Auswirkungen geopolitischer Ereignisse auf ihre Liquiditäts- und Refinanzierungspositionen. Bei einigen Banken fielen die Auswirkungen auf die Liquiditätskennzahlen jedoch trotz des im Szenario unterstellten deutlichen Kapitalrückgangs nur verhalten aus. Da Solvabilitäts- und Liquiditätsstress in Krisensituationen häufig eng miteinander verknüpft sind, wird die EZB dies mit den betroffenen Banken weiterverfolgen, um deren Stresstestrahmen zu verbessern.
Nichtfinanzielle Risiken
Die EZB forderte die Banken auf zu erläutern, welche nichtfinanziellen Risiken sich im Rahmen ihres jeweiligen Szenarios ergeben könnten. Cybervorfälle und die Störung von Drittanbieter-Diensten erwiesen sich als die wichtigsten Bedrohungen. Generell ruft die EZB die Banken dazu auf, neben traditionellen finanziellen Risiken auch Aspekte der operationellen Resilienz und des Cyberrisikos in ihre Stresstestrahmen aufzunehmen.
Minderungsmaßnahmen
Ein besonderes Merkmal des inversen Stresstests bestand darin, dass die jeweilige Bank darlegen musste, welche Managementmaßnahmen sie im geopolitischen Risikoszenario ergreifen würde. Dazu gehörten die Aufnahme von Kapital, der Verkauf von Geschäftsbereichen, Kostensenkungen sowie die Anpassung der Ausschüttungsquoten. Insgesamt waren die vorgesehenen Maßnahmen im Allgemeinen plausibel und für das spezifische Szenario relevant. Die EZB identifizierte jedoch Fälle, in denen die Annahmen zu optimistisch erschienen. Dazu zählte etwa die Annahme, dass es möglich ist, unter ungünstigen Marktbedingungen Kreditportfolios zu ehrgeizigen Preisen zu verkaufen oder Kapital zu günstigen Konditionen aufzunehmen. Die Aufsichtsbehörden werden dies mit den betroffenen Banken im Rahmen des laufenden Dialogs zur Kapital- und Sanierungsplanung weiterverfolgen. Die EZB betont zudem die Schlüsselrolle, die die Leitungsorgane der Banken dabei spielen sicherzustellen, dass die Szenarioanalysen und die Notfallplanung angemessen berücksichtigt werden.
Aufsichtliche Folgemaßnahmen
Die Ergebnisse werden in den laufenden aufsichtlichen Dialog mit den Banken einfließen. Sie können zudem in die qualitativen Bewertungen im Rahmen des aufsichtlichen Überprüfungs- und Bewertungsprozesses (Supervisory Review and Evaluation Process – SREP) eingehen. Der Stresstest führt nicht zu Anpassungen der Säule-2-Empfehlung oder der Säule-2-Empfehlung für die Verschuldungsquote.
Kontakt für Medienanfragen: Lina Bennar (Tel.: +49 152 06556600).
Europäische Zentralbank
Generaldirektion Kommunikation
- Sonnemannstraße 20
- 60314 Frankfurt am Main, Deutschland
- +49 69 1344 7455
- media@ecb.europa.eu
Nachdruck nur mit Quellenangabe gestattet.
Ansprechpartner für Medienvertreter