28 April 2026
Die Konsultation der Europäischen Kommission zur Wettbewerbsfähigkeit des EU-Bankensektors bietet die Chance, diesen zukunftsfähig zu machen. Dazu müssen wir Integration und Wettbewerb fördern und zugleich die Resilienz erhalten.
Die Europäische Kommission hat vor Kurzem eine Konsultation zur Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Banken abgeschlossen. Die Antwort der EZB ist klar: der europäische Bankensektor kann zukunftsfähig gemacht werden, indem Integration und Wettbewerb gefördert werden und zugleich die Resilienz gewahrt bleibt. Ein widerstandsfähiges Bankensystem, das Haushalten und Unternehmen dient, braucht ein starkes aufsichtliches und regulatorisches Fundament.
Für eine gesunde Wirtschaft sind gut funktionierende Bankenmärkte essenziell. In einem unsicheren geopolitischen Umfeld, inmitten neuerlicher Energieschocks und angesichts eines großen Investitionsbedarf in eine nachhaltige Energieversorgung, in digitale Infrastruktur, Verteidigung und innovative Technologien, gilt dies umso mehr.
Jeder Gesundheitscheck beginnt mit einer fundierten Diagnose. Der Bankensektor ist derzeit in einer recht guten Verfassung – das zeigt die jährliche aufsichtliche Bewertung der EZB. Aufgrund der Reformen nach der globalen Finanzkrise – darunter eine verstärkte Aufsicht – sind die europäischen Banken besser kapitalisiert und liquider, sie genießen ein größeres Vertrauen an den Märkten. Diese Widerstandsfähigkeit brauchen die Banken, um ihre Rolle in einer arbeitsteiligen Wirtschaft erfüllen zu können. Gut kapitalisierte Banken können mehr Kredite vergeben und nachhaltiges Wachstum fördern, gerade in Stressphasen. Der Internationale Währungsfonds ist in seinem aktuellen globalen Finanzstabilitätsbericht sehr klar: Eine verbesserte Resilienz ist Auftrag und nicht der Schlusspunkt der anstehenden Arbeit.
Eine sorgfältige Diagnose muss daher über eine reine Bestandsaufnahme hinausgehen. Sie muss zukunftsorientiert sein, Einlegerschutz, Finanzstabilität und die Rolle der Banken für die Wirtschaft betrachten, und auf diese Weise eine breitere gesellschaftliche Perspektive einnehmen. Wie Sparentscheidungen getroffen, wie Investitionen finanziert und Risiken geteilt werden — all das hängt wesentlich von Banken ab. Auch wenn Finanzierungen über Kapitalmärkte durch die Spar- und Investitionsunion gefördert werden sollten, werden die Banken weiterhin eine zentrale Rolle spielen.
Eine umfassendere Diagnose zeigt Handlungsbedarf auf. Der europäische Binnenmarkt für Bankdienstleistungen ist nur unzureichend integriert. Etwa 80% der Bankkredite werden im Inland vergeben, nur rund 2% der Einlagen werden in anderen Ländern angelegt. Grenzüberschreitende Fusionen haben sich in den vergangenen Jahren wenig dynamisch entwickelt, die Marktkonzentration hat in einigen Märkten tendenziell zugenommen.
Diese Fragmentierung hat ihren Preis: Eine unzureichende Integration kann eine effiziente Risikoteilung erschweren. Sie kann Investitionen der Banken in digitale Geschäftsmodelle beschränken, da sich diese Investitionen oft nur dann lohnen, wenn ein ausreichendes Geschäftsvolumen erreicht wird.
Insgesamt zeigt die Diagnose aktuell einen resilienten Bankensektor. Sie zeigt aber auch eine fragmentierte Marktstruktur, welche die Widerstandskraft künftig schwächen, die Stabilität beeinträchtigen und die Wettbewerbsfähigkeit der Banken einschränken könnte. Die Antwort der EZB auf die Konsultation der Kommission beinhaltet daher einen klaren Therapieplan, um den Sektor zukunftsfähig zu machen:
Erstens können die europäische Integration und der grenzüberschreitende Wettbewerb besser gefördert werden. Unterschiedliche rechtliche Regelungen machen es für die Banken teuer, außerhalb ihres Heimatmarkts zu agieren. Harmonisierte Vorschriften würden daher den Binnenmarkt fördern. Hindernisse für den freien Fluss von Kapital und Liquidität innerhalb grenzüberschreitend tätiger Bankengruppen sollten abgebaut werden, unter Wahrung angemessener aufsichtlicher Standards.
Die Bankenunion sollte jetzt vollendet werden. Ein europäisches Einlagenversicherungssystem würde versicherten Einlegern gleichen Schutz bieten. Es würde den Nexus der Risiken von Banken und Staaten schwächen und kann Anreize für grenzüberschreitende Aktivitäten schaffen. Eine weitere Stärkung des europäischen Krisenmanagements ist entscheidend, denn nicht überlebensfähige Banken müssen den Markt verlassen können, ohne dass die Finanzstabilität gefährdet wird.
Zweitens müssen Resilienz und Finanzstabilität geschützt bleiben. Nur finanziell und operativ resiliente Banken sind gut für ein von hoher Unsicherheit geprägtes geopolitisches Umfeld gewappnet, können negativen Schocks standhalten und sich vor Cyberrisiken schützen. Prävention ist – wie in der Gesundheitspolitik – entscheidend. Sie senkt das Risiko von Ansteckungen aus weniger stark regulierten Bereichen des Finanzsystems. Und Prävention zahlt sich aus: sie senkt die Kosten künftiger Finanzkrisen im Hinblick auf Wachstum, soziale Kosten und fiskalische Aufwendungen.
Drittens können Regulierung und Aufsicht vereinfacht werden, ohne dabei die Resilienz zu schwächen. Komplexe Vorschriften und überlappende Berichtspflichten binden Ressourcen, die Banken besser für ihr Risikomanagement und verbesserte Dienstleistungen einsetzen können. Die europäische Bankenaufsicht hat daher eine klare Reformagenda: wir machen unsere Aufsicht effizienter, effektiver und risikoorientierter – proportional zu den relevanten Risiken.
Die Aufgabe besteht nun darin, die Bankenunion zu vollenden und die Fragmentierung des Binnenmarktes zu reduzieren. Fast zwei Jahrzehnte nach Ausbruch der globalen Finanzkrise kann der europäische Bankensektor besser integriert werden, Regulierung und Aufsicht können weniger komplex gestaltet werden, ohne die Resilienz und das Erreichte zu gefährden.
Dieser Blogbeitrag wurde in mehreren Medien in verschiedenen Ländern des Euroraums als Gastbeitrag veröffentlicht.
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