Notleidende Kredite

Das Kreditrisiko zählt zu den drei wichtigsten Schwerpunkten der Aufsichtstätigkeit der EZB. Deshalb legen wir ein besonderes Augenmerk auf notleidende Kredite (d. h. Kredite, die nicht zurückgezahlt werden, sogenannte „Problemkredite" oder „faule Kredite“), die aus den Bilanzen europäischer Banken hervorstechen.

Was mit notleidenden Krediten (non-performing loans – NPL) geschieht, ist für Privatpersonen und für Unternehmen eine wichtige Frage. Denn diese Kredite belasten die Ertragskraft der Banken und binden wertvolle Ressourcen, was die Fähigkeit der Banken zur Vergabe neuer Kredite einschränkt. Problemkredite haben auch eine gesamtgesellschaftliche Relevanz, denn Probleme im Bankensektor können binnen kurzer Zeit auf andere Wirtschaftsbereiche übergreifen und die Beschäftigungs- und Wachstumsaussichten beeinträchtigen. Die EZB, deren Aufgabe es ist, die Sicherheit und Solidität des europäischen Bankensystems zu gewährleisten, unterstützt Banken dabei, dieses Problem in Angriff zu nehmen.

Wissenswertes zur Bankenaufsicht: Was sind notleidende Kredite?

Ein großes Problem

Ende 2016 schlugen notleidende Kredite bei europäischen Banken mit insgesamt rund 1 Billion € zu Buche. Auf die größten Banken im Euroraum entfielen rund 880 Mrd €, d. h. knapp 6,2 % des insgesamt ausstehenden Kreditvolumens (gegenüber durchschnittlich rund 1,3 % in den Vereinigten Staaten und 0,9 % im Vereinigten Königreich im Jahr 2016).

Obgleich der Anteil der als notleidend eingestuften Kredite seitdem zurückgegangen ist, (im ersten Quartal 2019 waren es 3,7 % des Gesamtkreditvolumens) hat Europa in dieser Angelegenheit noch einigen Aufholbedarf.

Die Bankenstatistiken der EZB-Bankenaufsicht enthalten nähere Informationen zu notleidenden Krediten und die Zahlen zu verschiedenen Ländern des Euroraums.

Ein Schwerpunkt der Bankenaufsicht

Die Aufseher der EZB überwachen den Gesamtstand der notleidenden Kredite von Banken im Euroraum. Sie überprüfen auch, ob einzelne Banken das Risiko ihrer Kredite angemessen steuern und ob sie über geeignete Strategien, Governance-Strukturen und Prozesse verfügen. Diese Überprüfung findet im Rahmen des einheitlichen aufsichtlichen Überprüfungs- und Bewertungsprozesses (Supervisory Review and Evaluation Process – SREP) statt, den jede Bank einmal im Jahr durchläuft. Darüber hinaus führt die EZB regelmäßig koordinierte Überprüfungen der Aktivaqualität bei denjenigen Banken durch, die sie direkt beaufsichtigt.

In der hochrangigen Gruppe zu notleidenden Krediten arbeiten Aufseher der EZB und der nationalen Aufsichtsbehörden zusammen an der Entwicklung eines auf Best Practices basierenden, einheitlichen und effizienten Verfahrens zum Umgang mit Problemkrediten und zu deren Abbau. Auch die Europäische Bankenaufsichtsbehörde nimmt an dieser Gruppe als Beobachter teil.

Folgende Publikationen sind aus dieser Zusammenarbeit entstanden:

Im Dezember 2017 erstellte die Europäische Bankenaufsichtsbehörde eine Reihe von NPL-Formularen zur Erhebung von detaillierten und standardisierten Informationen über Transaktionen zu notleidenden Krediten. Diese Formulare sollen dazu beitragen, den Markt für NPL zu stärken, indem sie Käufern und Verkäufern verlässlichere Informationen an die Hand geben und letztendlich als Grundlage für weitere Transaktionen in ganz Europa dienen.

Eine gemeinsame Anstrengung

Neben Aufsichtsmaßnahmen sind Initiativen in zwei weiteren Bereichen nötig, um den hohen NPL-Bestand zurückzuführen. Zum einen im Rechtsbereich: In einigen europäischen Länder reichen die verfügbaren rechtlichen Mittel unter Umständen nicht aus oder lassen keine zeitnahe Abwicklung zu. Zum anderen im Bereich des Sekundärmarkts: Über diesen Markt können Banken das Risiko von NPL-Beständen an Investoren übertragen, die keine Banken sind. Doch diese Märkte sind häufig nicht ausgereift.

Auf Basis der Vorschläge der EZB erstellte der Rat für Wirtschaft und Finanzen (ECOFIN) im Juli 2017 einen Aktionsplan zum Abbau notleidender Kredite in Europa. Der Plan sieht Maßnahmen in allen drei Bereichen vor: Bankenaufsicht, Reform der Regelungen für Insolvenz und Mahnwesen. Im Januar 2018 veröffentlichte die Kommission den ersten Fortschrittsbericht zum Abbau von NPL.

Die Financial Stability Review 2017 der EZB enthält nähere Informationen zum Risiko, das eine hohe Anzahl an NPL für die Finanzstabilität und das Wachstum darstellt, und erläutert, wie ein Versagen des Marktes für notleidende Kredite mithilfe von Transaktionsplattformen kompensiert werden könnte.

Meinungsaustausch

Die Initiativen zur Lösung der NPL-Problematik haben Fragen zum allgemeinen Ansatz, zu den Auswirkungen und zum Aufsichtsmandat aufgeworfen. Nachstehend finden sich die Antworten der EZB auf Anfragen von Mitgliedern des Europäischen Parlaments.