Sponsoren Dinner der EUROPA- KULTURTAGE

Rede von Sabine Lautenschläger, Mitglied des Direktoriums der EZB und stellvertretende Vorsitzende des Aufsichtsgremiums des einheitlichen Aufsichtsmechanismus, anlässlich einer Zusammenkunft von Freunden und Förderern der Europäischen Kulturtage, die von der EZB gemeinsam mit der Deutschen Bundesbank ausgerichtet werden, Frankfurt am Main, 20. Juni 2016

Sehr geehrte Damen und Herren,

zunächst einmal vielen Dank an Sie, Friedrich von Metzler, Ehrenbürger der Stadt Frankfurt am Main, und Sylvia von Metzler, die Sie als Freunde der EUROPA KULTURTAGE der EZB auch in diesem Jahr die Türen ihres Hauses für uns geöffnet haben.

Gastfreundschaft wird immer wichtiger in einer Welt, die immer enger zusammenwächst. Und das schließt Gastfreundschaft gegenüber Menschen aus anderen Ländern und Kulturen mit ein. Gerade diese Art der Gastfreundschaft fällt einigen Menschen jedoch schwer.

Lassen Sie mich dazu aus einem Stück französischer Kulturgeschichte zitieren – nicht aus Proust oder Flaubert, sondern aus einer Asterix-Geschichte. In dieser Geschichte zieht ein Gastwirt aus dem heutigen Orange mit seiner Familie in das kleine gallische Dorf. Der greise Methusalix, ältester Einwohner des Dorfes, kommentiert diesen Zuzug mit folgenden Worten: „Ich habe nichts gegen Fremde. Einige meiner besten Freunde sind Fremde. Aber diese Fremden sind nicht von hier“.

Diese Geschichte wurde 1974 veröffentlicht, wirkt aber erschreckend vertraut. Die Angst vor dem vermeintlich Fremden hindert viele Menschen daran, die notwendige Gastfreundschaft zu zeigen – das ist heute nicht anders als vor vierzig oder hundert Jahren.

Aber sind Menschen aus anderen Ländern und Kulturen wirklich so fremd? Sind sie wirklich anders als wir? Ich denke nicht. Und es sind gerade Kunst und Kultur, die uns das deutlich vor Augen führen. Überall auf der Welt wird Musik gemacht, überall werden Bilder gemalt, Geschichten erzählt und Theater gespielt. Und im Kern werden dabei immer dieselben Gefühle ausgedrückt: Freude, Trauer, Wut, Liebe, Hoffnung. So unterschiedlich der künstlerische Ausdruck auf der Oberfläche sein mag, so ähnlich ist seine Botschaft im Inneren. Kunst und Kultur lehren uns viel über andere und viel über uns selbst – vor allem aber lehren sie uns, wie ähnlich wir Menschen uns sind.

Das Ziel und der Verdienst der EUROPA-KULTURTAGE ist es, uns diese Gemeinsamkeiten deutlich zu machen und gleichzeitig das Verständnis für die Unterschiede zu fördern. Der Fokus auf Kultur ist dabei durchaus im Sinne eines großen Europäers. Jean Monnet soll gesagt haben: „Wenn ich nochmals mit dem Aufbau Europas beginnen könnte, dann würde ich mit der Kultur beginnen.“

Jean Monnet war überzeugt davon, dass Europa zusammengehört. Er war davon überzeugt, dass es zusammengehören muss und dass es zusammengehören kann. Ich teile diese Überzeugung. Und, meine Damen und Herren, Ihre Unterstützung für die KULTURTAGE der EZB zeigt mir, dass auch Sie diese Überzeugung teilen.

Die KULTURTAGE werden auch in diesem Jahr dazu beitragen, dass Europa ein Stück enger zusammenwächst. Dazu leisten Sie alle einen wichtigen Beitrag, für den ich Ihnen im Namen der EZB ganz herzlich danke.

Unser Dank geht rückblickend aber auch an Malta, das uns im vergangenen Jahr mit einem großartigen Programm begeistert hat. Malta ist zugleich ein hervorragendes Beispiel dafür, wie verschiedene Kulturen zu etwas Neuem verschmelzen können. Aus phönizischen, karthagischen, römischen, französischen und britischen Einflüssen ist eine neue, eigenständige Kultur entstanden. Sehr weit vorausgeschaut ist das natürlich auch eine Vision für das vereinte Europa.

Etwas weniger weit in die Zukunft geblickt, liegen zunächst aber die Kulturtage 2016 vor uns. Und hier geht unser Dank an die Deutsche Bundesbank, die in diesem Jahr gemeinsam mit der Europäischen Zentralbank Gastgeberin der Kulturtage ist – Andreas Dombret wird uns gleich einen kurzen Überblick über die Highlights des Programms geben.

Ich selbst möchte zum Abschluss noch einen weiteren Europäer zu Wort kommen lassen. Er wurde in Dublin geboren, lebte in London und starb in Paris: Oscar Wilde. Seine Auffassung von Kultur war ebenso bodenständig wie nachvollziehbar. Er hat gesagt: „Die Kultur hängt von der Kochkunst ab“. Unter diesem Blickwinkel ist der heutige Abend ein zusätzlicher kultureller Gewinn für uns alle.

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