PRESSEMITTEILUNG

Stresstest zeigt stärkere Widerstandsfähigkeit des Bankensystems im Eurogebiet

29. Juli 2016
  • Banken können heute besser mit wirtschaftlichen Schocks umgehen als im Stresstest von 2014
  • 37 von der EZB beaufsichtigte Banken nahmen mit einer robusten harten Kernkapitalquote (Common Equity Tier 1 – CET1) von durchschnittlich 13 % am EU-weiten Stresstest teil
  • Durchschnittlicher Rückgang des CET1-Kapitals im adversen Szenario um 3,9 Prozentpunkte; durchschnittliche CET1-Quote mit 9,1 % dennoch höher als im Stresstest von 2014
  • Beim Stresstest geht es nicht um das Bestehen oder Durchfallen; Ergebnisse werden auf nicht mechanistische Weise in den Beschlüssen des diesjährigen aufsichtlichen Überprüfungs- und Bewertungsprozess (Supervisory Review and Evaluation Process – SREP) berücksichtigt
  • Erwartungen der Aufsicht an die Kapitalausstattung der Banken im Euroraum insgesamt gegenüber 2015 weitgehend unverändert

Wie die Europäische Zentralbank (EZB) heute bekannt gab, zeigen die Ergebnisse des EU-weiten Bankenstresstests, dass die Banken im Euro-Währungsgebiet ihre Widerstandsfähigkeit erhöht haben. Die Erwartungen der Aufsicht an die Kapitalausstattung der Banken insgesamt bleiben gegenüber 2015 weitgehend unverändert.

Der von der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde (European Banking Authority – EBA) koordinierte Stresstest umfasste 51 Banken in der Europäischen Union, darunter 37 bedeutende Institute, die direkt von der EZB beaufsichtigt werden und rund 70 % der Bankaktiva im Euroraum repräsentieren. Die Ergebnisse des Stresstests wurden heute auf der Website der EBA veröffentlicht. Die 37 von der EZB beaufsichtigten Banken nahmen mit einer durchschnittlichen harten Kernkapitalquote (Common Equity Tier 1 – CET1) von 13 % am Test teil, was eine Verbesserung gegenüber den 11,2 % im letzten EU-weiten Stresstest von 2014 darstellt.

Im adversen Szenario belief sich der durchschnittliche Kapitalrückgang auf 3,9 Prozentpunkte und lag damit über den 2,6 Prozentpunkten im Stresstest von 2014. Grund hierfür waren unter anderem eine strengere Stresstestmethodik und ein härteres adverses Szenario, das sich erneut über einen Dreijahreszeitraum erstreckte und bei dem statische Bilanzen zugrunde gelegt wurden. Dank der großzügigeren Kapitalausstattung und weiterer Verbesserungen seit 2014 fiel die endgültige durchschnittliche CET1-Quote im adversen Szenario mit 9,1 % dennoch höher aus als 2014 (8,6 %).

Von einer Ausnahme abgesehen, belief sich das CET1-Kapital aller Banken auf einen Wert deutlich über der Benchmark von 5,5 %, die 2014 im hypothetischen adversen Szenario galt. Hierin spiegelt sich die insgesamt solide Kapitalausstattung der Banken, die Gegenstand des von der EBA initiierten Stresstests waren.

„In dem Ergebnis des Stresstests kommen die beträchtliche Kapitalaufnahme und die zusätzlichen Maßnahmen zum Ausdruck, welche die Banken in den vergangenen zwei Jahren zur Sanierung ihrer Bilanzen durchgeführt haben“, so Danièle Nouy, Vorsitzende des Aufsichtsgremiums der EZB. „Der Bankensektor ist heute widerstandsfähiger und kann deutlich besser mit wirtschaftlichen Schocks umgehen als noch vor zwei Jahren.“

Der Kapitalrückgang von durchschnittlich 3,9 Prozentpunkten im adversen Stresstestszenario war auf eine Reihe von Risikofaktoren zurückzuführen. Hierzu zählen unter anderem:

  • das Kreditrisiko, das im Schnitt mit 3,8 Prozentpunkten zum gesamten CET1-Rückgang beitrug,
  • das Marktrisiko, dessen Beitrag bei durchschnittlich 1,1 Prozentpunkten lag, vor allem infolge von Neubewertungsverlusten aus zum Zeitwert ausgewiesenen Vermögenswerten, und
  • das operationelle Risiko, das im Mittel mit 0,9 Prozentpunkten zu Buche schlug, wofür Verlustprojektionen im Zusammenhang mit Verhaltensrisiken verantwortlich waren; dieses Element kam erstmals im Stresstest 2016 zum Einsatz.

Darüber hinaus beeinflussten einige weitere Faktoren den Kapitalrückgang positiv bzw. negativ. Hier sind unter anderem das Nettozinseinkommen, Erträge aus Gebühren und Provisionen sowie der Verwaltungsaufwand zu nennen. Es wurde auch untersucht, wie sich Einkommensfaktoren unter Stressbedingungen verhalten. So wurde das Nettozinseinkommen im adversen Szenario einem erheblichen Stress ausgesetzt. Verglichen mit dem Basisszenario beliefen sich die Auswirkungen auf 1,3 Prozentpunkte.

Beim Stresstest geht es zwar nicht um das Bestehen oder Durchfallen, doch werden die Ergebnisse auf nicht mechanistische Weise als einer von mehreren Inputfaktoren bei der Festlegung des Säule-2-Kapitals im Rahmen des allgemeinen aufsichtlicher Überprüfungs- und Bewertungsprozess (Supervisory Review and Evaluation Process – SREP) der EZB berücksichtigt. Das Säule-2-Kapital setzt sich aus zwei Komponenten zusammen: Säule-2-Anforderungen und Säule-2-Empfehlungen. Die Ergebnisse des Stresstests werden von der EZB für die Säule-2-Empfehlungen verwendet, wobei unter anderem auch den Auswirkungen Rechnung getragen wird, die sich aus der Annahme einer statischen Bilanz und aus Gegenmaßnahmen der Banken ergeben. Weitere Einzelheiten hierzu finden sich in den Fragen und Antworten zum EU-weiten Stresstest 2016. Daher lassen sich aus den Ergebnissen des Stresstests keine Säule-2-Empfehlungen ableiten. Die SREP-Beschlüsse werden Ende 2016 abgeschlossen und gelten ab Anfang 2017.

Die EZB erwartet von den Banken, dass sie die Vorgaben der Säule-2-Empfehlungen jederzeit erfüllen. Bei Nichterfüllen dieser Vorgaben ergreift die EZB nicht automatisch Maßnahmen, sondern analysiert die Gründe und Umstände hierfür eingehend und legt gegebenenfalls spezifische aufsichtliche Maßnahmen fest. Die Säule-2-Empfehlungen sind für die Begrenzung des ausschüttungsfähigen Höchstbetrags (Maximum Distributable Amount – MDA) der Gewinne irrelevant.

ANMERKUNG

Die Gewichtung der Durchschnittswerte erfolgt entsprechend der Höhe des Risikoengagements (risikogewichtete Aktiva). Die Zahlen für 2014 beziehen sich ausschließlich auf die 37 am diesjährigen Stresstest teilnehmenden Banken.

Die CET1-Quote ist eine wichtige Messgröße für die finanzielle Solidität einer Bank. Sie wird gemäß der Definition von Kapital in der CRR/CRD IV, einschließlich Übergangsregelungen während des Stresstest-Zeithorizonts, berechnet.

Medienanfragen sind an Frau Uta Harnischfeger unter +49 69 1344 6321 oder Herrn Rolf Benders unter +49 69 1344 6925 zu richten.

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